Während Zürich ernsthaft diskutiert, dem Drehkreuz-Betrieb des Flughafens den Stecker zu ziehen, setzt Australien ein Zeichen für Zukunft und Zuversicht. In Sydney entsteht nicht nur ein neuer Flughafen – der Western Sydney International –, sondern gleich ein 24-Stunden-Betrieb. Geplant ist ein Hub der nächsten Generation, voll digitalisiert, klimafreundlich und bewusst auf Wachstum und internationale Anbindung ausgerichtet. Die australische Regierung nennt ihn stolz das grösste Infrastrukturprojekt des Landes. Und sie meint damit: ein Projekt mit Zukunft. Link zum Artikel
Und Zürich? Hier fordert die Nachtruhe-Initiative, die letzte halbe Stunde des Betriebs – von 23.00 bis 23.30 Uhr – zu streichen. Diese halbe Stunde ist heute bereits ausschliesslich dem Verspätungsabbau vorbehalten; neue Slots sind für diesen Zeitraum tabu. Sie ist kein «Nice to have», sondern ein Sicherheitsventil für einen hochkomplexen, internationalen Drehkreuzbetrieb: Maschinen, die aus unterschiedlichen Gründen leicht verspätet sind, dürfen noch starten oder landen. Dies ist nicht nur betrieblich essenziell, sondern sicher auch im Sinne der jeweils Dutzenden von betroffenen Passagieren, die sonst mühsam in Hotels Unterschlupf und eine neue Verbindung finden müssten. Wer die halbe Stunde von 23 bis 23.30 Uhr streicht, riskiert den Kollaps des Wellenmodells – und damit den Verlust zahlreicher Verbindungen.
Die Initiative ist nicht nur radikal, sie blendet auch die Realität komplett aus. Das legitime Schutzniveau der Bevölkerung ist heute schon hoch. Zürich hat die kürzesten Betriebszeiten aller europäischen Luftfahrtdrehkreuze. Seit dem Jahr 2000 ist die Nachtruhe um zwei Stunden verlängert worden. Mehr geht nicht. Zudem gehört zur Realität auch, dass die Nachfrage hoch ist – aktuell mit Blick auf die Sommerferien, aber auch generell. Im Jahr 2025 dürfte der bisherige Passagierrekordwert von 2019 übertroffen werden. Mit anderen Worten: 2025 werden aller Voraussicht nach mehr als 31,5 Millionen Menschen über den Flughafen Zürich reisen. Die provinzielle Nachtruhe-Initiative steht auch vor diesem Hintergrund völlig quer in der Landschaft.
Die regelmässigen Verschärfungen der Rahmenbedingungen in Zürich stehen diametral zum globalen Trend: Weltweit wächst die Nachfrage nach Luftverkehr – vor allem in aufstrebenden Regionen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas. Wer daran teilhaben will, muss gut erreichbar sein. Das Komitee Weltoffenes Zürich sagt es seit Jahren: «Ein Wirtschaftsstandort ist gut erreichbar – oder er existiert nicht.»
Zürich steht heute für Qualität, Effizienz und Verlässlichkeit. Doch dieser Ruf ist kein Naturgesetz. Er beruht auf einer funktionierenden Infrastruktur – und auf der Fähigkeit, internationale Taktung und regionale Interessen klug auszubalancieren. Genau darin liegt die Herausforderung. Nicht in weiteren Verboten und Einschränkungen, sondern in besseren Lösungen.
Australien zeigt, wie Zukunft geht: klimabewusst, technologieoffen, wirtschaftlich mutig. Es ist Zeit, dass Zürich wieder den Blick hebt.