Südstart bei Bise ist sinnvoll

Gemeinden aus dem Süden wehren sich vehement gegen den Südstart geradeaus bei Bise. Dabei ist wichtig zu wissen: Der Südstart geradeaus bei Bise ist im SIL verankert und bundesrechtlich abgestützt. Für den Regelbetrieb spielt er keine Rolle. Er greift ausschliesslich an Bisetagen – an wenigen Tagen pro Jahr. Ziel ist, das heute sehr komplexe Bisenkonzept abzulösen, das wegen vieler Kreuzungen der Flugzeuge am Boden und in der Luft eine geringe Sicherheitsmarge und eine um rund 30 Prozent tiefere Kapazität als das Standardkonzept aufweist. Dies führt zu vielen Verspätungen, wie Andreas Schürer, Geschäftsführer des Komitees Weltoffenes Zürich, gegenüber Tele Z ausführte (zum Beitrag). Bei Bise ist es am Flughafen Zürich heute so, als würden am Hauptbahnhof Zürich zur Stosszeit zwei Gleise geschlossen – bei gleichbleibendem Fahrplan.

Konkret zur Sicherheit: Das heutige Bisenkonzept weist eine sehr tiefe Sicherheitsmarge aus. Es umfasst neun Kreuzungspunkte. Das weiss man offiziell spätestens seit 2012: Als Reaktion auf den schweren Vorfall zwischen zwei startenden Verkehrsflugzeugen im März 2011 hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt eine umfassende Analyse der Betriebsverfahren in Auftrag gegeben. Der Bericht schlägt diverse Massnahmen vor, um die Sicherheit zu erhöhen – Südstarts geradeaus bei Bise sind eine wichtige Massnahme. Es wäre verantwortungslos, sie nicht umzusetzen.

Warum ist der Betrieb bei Bise heute so komplex? Starts nach Süden drehen heute nach kurzer Zeit bei Opfikon, Glattbrugg und Wallisellen nach links ab. Dadurch entsteht bei Starts ab Piste 16 ein Konflikt mit Flugzeugen, die gleichzeitig auf Piste 14 landen. Sollte ein solches durchstarten, würde es sich mit der startenden Maschine kreuzen. Die gleiche Problematik zeigt sich bei den ebenfalls stattfindenden Starts nach Osten ab der Piste 10. Die Flugsicherung muss das Durchstart-Szenario bei jeder Bewegung berücksichtigen – und mit der Startfreigabe für Flugzeuge auf den Pisten 10 respektive 16 warten, bis das Flugzeug auf Piste 14 gelandet ist. Starten die Maschinen länger geradeaus und drehen erst später nach links, fällt das Konfliktpotenzial weg. Weniger Konfliktpunkte bedeuten höhere Sicherheitsmarge und stabileren sowie insbesondere pünktlicheren Betrieb.

Ganz wichtig ist: Der Südstart geradeaus dient der Sicherheit und der Pünktlichkeit, nicht der Kapazität. Es werden an Bisentagen nicht mehr Flüge durchgeführt - aber die geplanten pünktlicher. Im Bisenbetrieb liegt die Kapazität heute bei rund 44 Bewegungen pro Stunde statt 66 im Nordkonzept – Verspätungen ziehen sich deshalb bis in den Abend. Mit dem Südstart geradeaus werden wetterbedingte Verspätungen stark reduziert. Das neue Konzept entflechtet den Betrieb, reduziert Kreuzungen und damit Störungen – und es vermindert damit in den sensiblen Randstunden den Fluglärm.