Gemeinden im Süden rufen ihre Bevölkerung gemäss NZZ zu Einsprachen gegen den Südstart bei Bise auf. Wer dieser Tage laut «Skandal!» ruft, tut so, als ob der Flughafen Zürich den Süden neu «erobern» wolle. Das Gegenteil ist der Fall: Der Südstart geradeaus spielt für den Regelbetrieb keine Rolle. Er soll nur dann zum Zug kommen, wenn die meteorologischen Bedingungen – namentlich Bise – den Betrieb nach Nordkonzept verunmöglichen.
Worum geht es also wirklich? Um Sicherheit und Pünktlichkeit. Das heutige Bisenkonzept ist ein Flickenteppich: Viele Kreuzungen am Boden und in der Luft, eine geringe Sicherheitsmarge – und eine deutlich tiefere Leistungsfähigkeit als im Standardkonzept. Die Folge sind Verspätungen, die sich durch den ganzen Tag ziehen und am Abend zu späten Flügen nach 23 Uhr führen – und damit zu zusätzlicher Lärmbelastung zu sensiblen Zeiten.
Man muss es klar sagen: Wenn am Abend die Verspätungen reduziert werden sollen, dann gilt es, tagsüber deren Ursachen zu reduzieren. Da kann es nicht sein, dass zielführende Massnahmen wie die Einführung des Südstarts geradeaus bei Bise blockiert werden. Bei Bise ist es heute am Flughafen, als würde man am Hauptbahnhof Zürich zur Stosszeit mehrere Gleise schliessen – bei gleichbleibendem Fahrplan. Verspätungen sind programmiert.
Der Südstart geradeaus bei Bise entschärft genau diese Konflikte. Weniger Kreuzungspunkte bedeuten: Höhere Sicherheitsmarge, stabilerer Betrieb, weniger Kettenreaktionen. Und damit auch ein handfester Beitrag zur Nachtruhe, weil der Tag bei Bise nicht schon am Morgen oder am Nachmittag «aus dem Tritt» kommt.
Entscheidend ist ausserdem, was der SIL festhält: Der Südstart geradeaus ist eine Massnahme für bestimmte Wetterlagen – und auf zusätzliche Südabflüge geradeaus in den Spitzenzeiten wird weiterhin verzichtet. Das ist keine Hintertür für Kapazitätsausbau, sondern eine Sicherheits- und Zuverlässigkeitsmassnahme.
Wer jetzt Einsprache-Kampagnen organisiert, pflegt oft ein altbekanntes Narrativ: «Alles wird immer lauter, alles wird immer schlimmer.» Dieses Narrativ hält einer nüchternen Einordnung nicht stand. Regeln und Auflagen sind über Jahre hinweg eher strenger geworden – während der politische Druck auf Verspätungsabbau und damit Nachtruhe gleichzeitig steigt.
Es kann nicht genug betont werden: Das Schutzniveau für die Anwohnerinnen und Anwohner des Flughafens Zürich ist hoch. Kein anderer vergleichbarer Flughafen verfügt über eine so strikte Nachtruheregelung. Seit 2000 wurden die Betriebszeiten notabene dreimal reduziert – insgesamt um zwei Stunden. Geplante Starts sind nur bis 22.45 Uhr, Landungen bis 22.55 Uhr möglich. Die halbe Stunde von 23.00 bis 23.30 Uhr dient ausschliesslich dem Verspätungsabbau. Die aktuellen Betriebszeiten sind das Minimum an nötigen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig müssen Massnahmen wie die Einführung des Südstarts bei Bise ermöglicht werden, um den Betrieb zu stabilisieren und Verspätungen zu reduzieren.
Zudem: Die Zahl der Flugbewegungen ist heute tiefer als noch um die Jahrtausendwende. Die Lärmbelastung nimmt dank immer leiseren Flugzeugen ab, und SWISS sowie Edelweiss investieren mit der Einführung modernster Flugzeugtypen wie dem A350 gezielt in eine lärmgünstigere und nachhaltigere Flotte.
Der Südstart geradeaus bei Bise ist kein Wunschkonzert. Er ist ein Instrument, damit der Flughafen auch bei schwierigen Wetterlagen verlässlich betrieben werden kann – sicher, planbar, und im Sinne der Nachtruhe. Wer das ernsthaft will, sollte hier nicht Symbolpolitik betreiben, sondern Verantwortung übernehmen.