Die Menschen wollen fliegen: 32,6 Millionen Passagiere haben 2025 den Flughafen Zürich genutzt, plus 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und sogar mehr als im bisherigen Spitzenjahr 2019. Corona ist, was die Mobilität betrifft, definitiv Geschichte. Das ist kein Zufall. Die Menschen wollen Familie und Freunde im Ausland besuchen, sie wollen reisen, die Welt kennenlernen, und sie brauchen die internationale Anbindung für geschäftliche Termine. Eine gute Anbindung an die Welt ist deshalb für den Wirtschaftsraum Zürich kein Luxus, sondern eine wesentliche Voraussetzung, um als Standort Zukunft zu haben und um den Wohlstand auch für kommende Generationen zu sichern.
Wie stark die Nachfrage und das Bedürfnis nach Mobilität ist, zeigt die Stadt Zürich. Sie hat sich ambitioniert das Netto-Null-Ziel bis 2040 gestellt - und bilanziert nun aufschlussreiche Fakten: Im Jahr 2024 flogen die Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher durchschnittlich 10’500 Kilometer weit, am liebsten für Freizeitreisen in Europa. Damit legten sie mit dem Flugzeug 600 Kilometer mehr zurück als im Vorjahr, wie eine Auswertung der Hochschule Luzern ergibt. Netto-Null auf dem Papier, Take-off in der Praxis.
Die politische Reaktion darauf wirkt – freundlich gesagt – wie eine Mischung aus hilfloser Symbolpolitik und absurdem Gutscheinheft. Grüne und SP wollen Nachtzüge fördern und 18-Jährigen ein Gratis-Interrail-Ticket schenken. Die Idee: «Erste Reisen prägen fürs Leben». Hübsch. Nur: Wer glaubt, mit einem kommunalen Interrail-Geschenk die internationale Mobilität einer wohlhabenden, stark vernetzten Stadt grundlegend umzuprogrammieren, verkennt die Realität und die Bedürfnisse der Menschen komplett. Zum einen lässt sich trefflich darüber diskutieren, wie nachhaltig es ist, wenn nun dann Heerscharen von Zürcher 18-Jährigen wochenlang im Zug durch Europa tingeln. Zum anderen wird der Effekt auf die Nutzung von Flugreisen – da braucht man kein Prophet zu sein – gleich Null sein. Immerhin ein Netto-Null-Ziel erreichen so die Grünen und die SP – nicht bezüglich des CO2-Ausstosses, aber bezüglich der Wirkung ihrer Politik.
Wenn Zürich ernsthaft Klimaschutz und Weltoffenheit verbinden will, braucht es weniger PR-wirksame Ersatzhandlungen, sondern mehr Wirksamkeit: Technologieoffenheit, schnellere Skalierung nachhaltiger Treibstoffe, effizientere Prozesse, international abgestimmte Regeln – und ein Flughafen, der sicher, verlässlich und wettbewerbsfähig bleibt.