Pünktlichkeit stärken statt Betriebszeit schwächen

Der Zürcher Regierungsrat unterstützt in seiner Stellungnahme zum SIL-Objektblatt die vorgesehenen Massnahmen zur Verbesserung der Betriebsstabilität am Flughafen Zürich – darunter die Verlängerung der Pisten 28 und 32 sowie optimierte Abflugverfahren. Diese Haltung ist richtig und wichtig. Auffällig kritisch äussert sich der Regierungsrat jedoch zur Anzahl Flüge nach 23 Uhr. Er fordert eine weitergehende Reduktion der Flugbewegungen zwischen 23.00 und 23.30 Uhr. Dies ist zwar grundsätzlich nachvollziehbar und im SIL notabene auch vorgesehen. Der ultimative Tonfall, den der Regierungsrat anschlägt, irritiert aber.

Offenbar wirkt das Narrativ der Gegner, wonach die Lärmbelastung immer schlimmer werde und zusätzlicher Schutz nötig sei. Umso wichtiger ist die nüchterne Einordnung: Die Flugzeuge sind massiv leiser geworden. Der Lärmteppich, der die Gebiete mit lärmrelevanten Belastungen zeigt, hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verkleinert. Die Zahl der Lärmbetroffenen nimmt nur deshalb zu, weil in keiner anderen Region der Schweiz so viele Menschen zuziehen wie in die Flughafenregion. Parallel zu dieser Entwicklung ist gleichzeitig das Schutzniveau erhöht und die Nachtruhe seit der Jahrtausendwende um zwei Stunden verlängert worden. Mehr erträgt es nicht.

Zur Einordnung gehört auch: Die halbe Stunde zwischen 23 und 23.30 Uhr dient dem bewilligungsfreien Verspätungsabbau. In diesem Zeitraum dürfen weder Starts noch Landungen geplant werden, aber die halbe Stunde ist eine Sicherheitsmarge, um unvermeidbare Verspätungen über den Tag hinweg abzufangen. Diese Regelung hat sich bewährt – nicht zuletzt, weil Zürich bereits heute über die strengste Nachtruheregelung aller vergleichbaren europäischen Flughäfen verfügt.

Dass die Zahl der tatsächlichen Flüge in dieser Zeitspanne gemäss dem neuen SIL sinken soll, ist durchaus zu begrüssen. Möglich wird dies unter anderem durch die im März 2024 vom Zürcher Stimmvolk mit 62 Prozent angenommene Verlängerung der Pisten 28 und 32. Dies bringt nicht nur mehr Sicherheit und Pünktlichkeit, sondern entlastet auch die Abendstunden.

Was der Regierungsrat leider kaum betont in seiner Mitteilung, ist die Wichtigkeit eines verlässlichen Drehkreuzes in Zürich. Vieles, was die Schweiz speziell macht, ist von einem Drehkreuz abhängig: die Präsenz von internationalen Organisationen, grosse Kultur- und Sportanlässe, Tourismus, Exportwirtschaft, Wohlstand. Wenn wir uns kleinkariert in die Diskussion um die Flüge zwischen 23 und 23.30 Uhr verrennen und den Betrieb des Drehkreuzes aufs Spiel setzen, werden wir alle einen sehr hohen Preis zahlen.