Luftfracht – oft unterschätzt, aber wichtig

Philipp Kutter, Mitte-Nationalrat und Präsident der Parlamentarischen Gruppe Luft- und Raumfahrt, brachte es gut auf den Punkt: «Die Luftfracht ist ein Thema, das manchmal etwas unsichtbar bleibt, aber von grosser volkswirtschaftlicher Bedeutung ist. Wir beleuchten heute die Luftfracht mit dem Scheinwerfer.»

Wie bedeutsam die Luftfracht ist, erläuterten Marco Gredig, Managing Director der Cargologic AG, und Lorenzo Stoll, Head of Cargo bei Swiss International Air Lines. Die Zahlen sind in der Tat eindrücklich: Über 50 Prozent des wertmässigen Exports wird per Luftfracht transportiert, über 600'000 Tonnen pro Jahr. Der durchschnittliche Wert pro Tonne beträgt 1400 Franken – ein Ausdruck davon, dass wertvolle Güter per Luftfracht exportiert wird, namentlich aus den Bereichen Pharma, Uhren/Bijouterie und Präzisionsmaschinen/-werkzeuge wie auch andere hochwertige Schweizer Qualitätsprodukte. Rund 25'000 Arbeitsplätze gehen in der Schweiz direkt oder indirekt auf die Luftfracht zurück.

Oft wird die Luftfracht im Bauch von Passagiermaschinen spediert, als sogenannte Bellyfracht. Direktverbindungen von Zürich beispielsweise nach Toronto, Seoul oder Washington könnten nur dank Fracht betrieben werden, sagte Lorenzo Stoll. Insgesamt steuert die Fracht rund 20 % an das Ergebnis der Swiss bei. In Basel, wo namentlich die Pharma stark ist, gebe es auch reine Frachtflüge betonte Matthias Suhr, Direktor des EuroAirports. Und er meinte: «Für ein exportorientiertes Land wie die Schweiz ist das sehr wichtig.»

Damit die Fracht leistungsfähig bleibt, brauche sie langfristig gute und verlässliche Rahmenbedingungen, appellierten Marco Gredig und Lorenzo Stoll an die Politik. Nötig seien Investitionen in bestehende und zusätzliche Infrastrukturen an den Flughäfen für die Frachtabfertigung, eine Vereinfachung der Regulatorien. Zudem gelte es, die an den Flughäfen Zürich, Basel und Genf geltenden Betriebszeiten zu erhalten. Mit Blick auf die Nachtruhe-Initiative in Zürich, die einen strikten Betriebsschluss um 23 Uhr vorsieht, lässt sich also festhalten: Sie gefährdet nicht nur den Hub-Betrieb, sondern auch die volkswirtschaftlich bedeutsame «Pulsader» Fracht.