Luftfahrt ist kein Selbstzweck

Unser Partnerverband Aviationsuisse hat sein neues «Update» herausgegeben. Hier geht es zum PDF. Und hier lesen Sie das Editorial der Präsidentin Regine Sauter, Direktorin der Zürcher Handelskammer und FDP-Nationalrätin:

"Die meisten Akteure in der Luftfahrt sind wieder auf Erfolgskurs. Die Nachfrage ist anhaltend gross – die Menschen wollen wieder reisen, geschäftlich und privat. Auch die Luftfracht ist gefragt, nachdem dieser Bereich bereits in der Pandemie bewiesen hat, wie wichtig er für Wirtschaft und Gesellschaft ist. Dass die Branche wieder Gewinne schreibt, ist verdient – und wichtig. Für künftige Herausforderungen wird Investitionskraft nötig sein. Insbesondere die Ökologisierung der Aviatik, die bereits entschlossen angegangen wird, ist teuer und wird noch massiv mehr Mittel benötigen.

Der Königsweg in der Ökologisierung der Luftfahrt sind nachhaltige Treibstoffe. Im revidierten CO2-Gesetz ist eine Beimischquote vorgesehen, gemäss der die Airlines Jahr für Jahr mehr nachhaltigen Treibstoff tanken müssen. So wird es bis 2050 möglich sein, CO2-neutral zu fliegen. Worten müssen Taten folgen – in diesem Sinn hat mich gefreut, dass sich die Swiss jüngst am ETH-Spinoff Synhelion beteiligt hat, das Solartreibstoff herstellt. Es tut sich etwas – auch ohne, dass die Politik sich einmischt.

Stossend ist, dass im öffentlichen Diskurs selten vom Nutzen der Luftfahrt die Rede ist, dafür umso mehr von den damit verbundenen Lasten. Darum kann nicht oft genug betont werden, was wir als Verband der Nutzer der Luftfahrt zum Ausdruck bringen wollen: Luftfahrt ist kein Selbstzweck – sie ist wichtig für uns alle. Wir reisen, wir handeln, wir exportieren, wir importieren. Prosperität entsteht, wo Verkehrsknotenpunkte sind, das war schon immer so und ist heute nicht anders – wohl auch darum bauen die Türkei oder China gigantische Hubs. Sie wissen, dass Luftfahrtpolitik Standortpolitik ist.

Diese Erkenntnis müsste auch in der Schweiz wieder mehr vorhanden sein. Den Nutzen der Aviatik betonen, das ist unsere Mission. Wir setzen uns nicht für die Luftfahrt ein, weil wir Flieger-Fans sind. Wir setzen uns für sie ein, weil wir sie brauchen. Zudem wollen wir verstärkt den Dialog zwischen Bestellern und Luftfahrtbranche fördern. Nutzer und Anbieter sollen nicht übereinander, sondern miteinander reden.

Sehr gut gelungen ist dies an unserem Herbstanlass 2022 am EuroAirport Basel – vielen Dank an EuroAirport-Direktor und Gastgeber Matthias Suhr. Demnächst sind wir mit unserer Generalversammlung in der Arrival Lounge der Swiss am Flughafen Zürich zu Gast. Ich freue mich, Sie alle da zu sehen – und mit Swiss-CEO Dieter Vranckx in einem Talk-Format über aktuelle Herausforderungen zu sprechen."