FAIR in AIR behauptet in ihrer jüngsten Medienmitteilung, der Flughafen habe im Juli «über 300 Flugbewegungen nach 23 Uhr» verschleiert und bloss 36 ausgewiesen. Das ist keine Enthüllung, sondern ein tendenziöser und falscher Zahlenvergleich: FAIR in AIR vermischt unterschiedliche Zeitfenster und konstruiert daraus einen Skandal. Die erste Zahl betrifft die Zeit nach 23 Uhr, die 36 im Lärmbulletin dagegen die Sperrzeit nach 23.30 Uhr. Zwischen 23 und 23.30 Uhr dürfen verspätete gewerbsmässige Flüge gemäss Bundesrecht ohne besondere Bewilligung starten oder landen. Das ist kein Schlupfloch. Das ist geltendes Recht. Das Bundesverwaltungsgericht hat dies ausdrücklich bestätigt. Flüge zwischen 23 und 23.30 Uhr verstossen demnach explizit nicht gegen die geltende Nachtflugordnung. So ist es im Sachplan und auch im Betriebsreglement festgelegt. Die Betriebszeiten wurden auch kürzlich sowohl vom Zürcher Kantonsrat als auch vom Nationalrat und der zuständigen Kommission des Ständerates bestätigt.
Auch die angebliche «Trickserei» mit der Startzeit hält keiner Prüfung stand. FAIR in AIR behauptet, der Flughafen erfasse den Pushback am Gate statt des Abhebens. Auch das ist falsch. Für Bewegungsstatistik und Ausnahmebewilligungen zählt der Zeitpunkt, an dem das Flugzeug auf der Piste abhebt oder aufsetzt. Das Lärmbulletin führt Bewegungen nach 23.30 Uhr mit Uhrzeit, Bewegungsart und Piste auf. Ein Pushback taugt dafür offenkundig nicht.
Die Pünktlichkeit bleibt ein berechtigtes Thema. Der Flughafen muss weiter daran arbeiten. Zürich operiert jedoch mit einem komplexen Pistensystem und einem besonders engen zeitlichen Korsett. Wichtige Verbesserungen – namentlich die vom Volk beschlossenen Pistenverlängerungen – stecken seit Jahren in Verfahren fest. Kurzfristige Massnahmen zeigen derweil Wirkung: Im Juli 2026 gab es trotz höherer Nachfrage weniger Bewegungen nach 23 Uhr als in den Vergleichsmonaten 2024 und 2025.
Kritik am Flughafen ist legitim. Zahlen aus verschiedenen Zeitfenstern gegeneinander auszuspielen und den Pushback zur offiziellen Startzeit zu erklären, ist jedoch keine Aufklärung, sondern Polemik und bewusste Irreführung. FAIR in AIR fordert in hartnäckiger Regelmässigkeit die Einhaltung von Regeln ein. Der gleiche Anspruch sollte für den eigenen Umgang mit Fakten gelten.