Die Schweizer Luftfahrtpolitik braucht belastbare Fakten. Diesen Anspruch stellte Nationalrat Philipp Kutter (Die Mitte), Präsident der Parlamentarischen Gruppe Luft- und Raumfahrt, am Anlass vom 16. Juni 2026 in Bern ins Zentrum. Die neue Sotomo-Studie im Auftrag von Aviationsuisse leiste dazu einen wichtigen Beitrag.
Aviationsuisse-Präsidentin Regine Sauter erläuterte, weshalb der Verband die Studie in Auftrag gegeben hat. Zwar wurde in den vergangenen Jahren über verschiedene konkrete Luftfahrtvorlagen abgestimmt. Eine schweizweite, repräsentative Erhebung zur grundsätzlichen Haltung der Bevölkerung gegenüber der Luftfahrt fehlte jedoch. Untersucht wurden deshalb unter anderem die persönliche und volkswirtschaftliche Bedeutung der Luftfahrt, Lärm und Betriebszeiten sowie die Erwartungen an den Klimaschutz. Zusätzlich wurden die Flughafenregionen Zürich, Basel und Genf vertieft analysiert.
Sotomo-Geschäftsführer Michael Hermann stellte die Resultate vor. Befragt wurden 2524 Personen. Die nach wissenschaftlichen Kriterien gewichtete Erhebung ist für die deutsch- und französischsprachige Schweiz repräsentativ.
Die Resultate sind deutlich: 61 Prozent bewerten Flugreisen positiv, 67 Prozent sehen die Luftfahrt als Chance für die Schweiz. Direktverbindungen sind für 76 Prozent wichtig. Zudem befürworten 52 Prozent einen Ausbau der Flughafeninfrastruktur, falls die Nachfrage nach Flugreisen und Güterverkehr weiter steigt.
Besonders klar ist das Bild bei den Betriebszeiten. Schweizweit beurteilen 57 Prozent die heutige Nachtflugregelung als genau richtig, weitere 22 Prozent sogar als eher oder klar zu streng. Nur 19 Prozent halten sie für zu locker. Auch in den Flughafenregionen Zürich, Basel und Genf sprechen sich jeweils zwischen 71 und 75 Prozent gegen eine Verschärfung aus, indem sie die heutige Regelung als angemessen oder bereits als zu streng beurteilen. Die Bevölkerung akzeptiert die geltenden Betriebszeiten. Für weitere Einschränkungen fehlt der Rückhalt.
Auch beim Klimaschutz setzt die Bevölkerung klare Prioritäten. 72 Prozent sehen die internationale Politik in der Hauptverantwortung. Gleichzeitig besteht eine Zahlungsbereitschaft für klimafreundliche Innovationen, sofern die Mittel tatsächlich der Dekarbonisierung der Luftfahrt zugutekommen.
51 Prozent möchten allfällige Einnahmen aus einer Flugticketabgabe in klimafreundliche Treibstoffe investieren, 47 Prozent in Innovationen innerhalb der Luftfahrt. Investitionen in den öffentlichen Verkehr nennen dagegen 37 Prozent, eine Rückverteilung an die Bevölkerung lediglich 17 Prozent. Das Modell der Mobilitätsbon-Initiative, die derzeit Unterschriften sammelt und mit einer Flugticketabgabe den öffentlichen Verkehr sowie einen Mobilitätsbon für die Bevölkerung finanzieren will, steht damit quer zu den erhobenen Präferenzen. Eine Abgabe, die primär der Umverteilung in Richtung Bahn und Bevölkerung dient, erscheint nach diesen Resultaten klar nicht mehrheitsfähig.
Regine Sauter leitete daraus fünf politische Folgerungen ab: Die heutigen Betriebszeiten der Landesflughäfen sind zu sichern. Die internationale Anbindung ist als nationales Interesse zu behandeln. Wachsende Nachfrage muss eine massvolle Entwicklung der Kapazitäten ermöglichen. Beim Klimaschutz braucht es internationale Koordination und wirksame Innovation. Auf eine Flugticketabgabe, die primär Symbolik und Umverteilung dient, ist zu verzichten.
Die Studie ersetzt die politische Güterabwägung nicht. Sie gibt ihr aber ein solides Fundament – und sie vermittelt aus Sicht von Aviationsuisse jenen Kräften, die der Luftfahrt positiv gegenüberstehen, das nötige Selbstbewusstsein, um der stillen Mehrheit eine Stimme zu geben. Und sich nicht treiben zu lassen von einer lauten, luftfahrtkritischen Minderheit.