Die drei Schweizer Landesflughäfen sind unverzichtbar für die Anbindung der Schweiz an die Welt. Das betonte am Anlass der Parlamentarischen Gruppe Luft- und Raumfahrt deren Präsident Philipp Kutter, Nationalrat Die Mitte. Ebenfalls klar ist: Die Landesflughäfen stehen zunehmend unter Druck: Forderungen nach restriktiveren Betriebszeiten, strengeren Umweltauflagen und politischen Eingriffen in den Flugverkehr nehmen zu. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Mobilität hoch, und der Luftverkehr spielt eine zentrale Rolle für die Wirtschaft und den Standort Schweiz.
Was aktuelle Herausforderungen und Perspektiven sind, erläuterten die drei CEOs der Landesflughäfen: Lukas Brosi (Zürich), Matthias Suhr (EuroAirport Basel-Mulhouse) und Gilles Rufenacht (Aéroport de Genève). Lukas Brosi wies darauf hin, dass die Bevölkerung rund um den Flughafen Zürich in den letzten 20 Jahren um 44 % gewachsen ist, während die Flugbewegungen stabil blieben. Dank leiseren Flugzeugen habe seit der Jahrtausendwende auch die Lärmkurve markant abgenommen. Jüngstes Beispiel für diesen Fortschritt sei der A350, den Edelweiss nun einführt und der auch bei SWISS zum Einsatz kommen wird. Er ist nur halb so laut wie die A340.
Lukas Brosi warnte vor einer weiteren Einschränkung der Betriebszeiten, die die internationale Anbindung der Schweiz verschlechtern und den Wirtschaftsstandort schwächen würde. Heute sind ab Zürich rund 200 Destinationen in 74 Ländern angebunden. Konkret strich der CEO des Flughafens Zürich hervor, dass die kantonale Nachtruhe-Initiative massive Folgen hätte. Die Initiative fordert ein striktes Flugverbot ab 23 Uhr. Heute dauert die Betriebszeit von 6 bis 23.30 Uhr, wobei die letzte halbe Stunde nur für den Verspätungsabbau genutzt werden darf. Brosi sagte: «Rund 30 Prozent der Verbindungen könnten nicht mehr angeboten werden.» Und er verwies darauf, dass Zürich bereits heute die strengste Nachtruhe aller vergleichbarer Drehkreuze in Europa hat.
Matthias Suhr, Direktor des EuroAirports Basel-Mulhouse, strich hervor, dass Flughäfen historisch als Wirtschaftsmotoren fungieren und «Veteranen» seien. Der Aéroport de Genève wurde 1922 gegründet, der EuroAirport Basel-Mulhouse 1946 und der Flughafen Zürich 1948. Gebaut worden seien sie alle sozusagen im Niemandsland. Im Laufe der Zeit seien sie regelrecht zugebaut worden. Die effektivste Massnahme im Bereich Lärmschutz sieht auch er in der kontinuierlichen Modernisierung der Flugzeuge.
Gilles Rufenacht, Direktor des Aéroport de Genève, kritisierte die wachsenden kantonalen Einschränkungen, die im Widerspruch zum nationalen Auftrag der Flughäfen stehen. Vorschläge zur Reduktion von Öffnungszeiten und zur Begrenzung von Kurzstreckenflügen drohten die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Luftfahrt zu untergraben. Der Bund sei gefordert, Verantwortung zu übernehmen und durchzusetzen, dass die nationalen Vorgaben, die namentlich in den relevanten Sachplänen vorgegeben seien, von den Kantonen eingehalten würden. Rufenacht sagte: «Es braucht bessere Kompromisse zwischen Lärmakzeptanz und dem Nutzen eines Flughafens.»