Impfzertifikat offen und pragmatisch entwickeln

Der Juni rückt näher. Der Bund hat eine grosse Verantwortung geschultert, indem er für die Entwicklung des Impfzertifikats auf eine eigene Lösung setzt und das Projekt dem Bundesamt für Informatik zuwies. Für uns erschliesst sich nicht, warum nicht  stärker auf vorhandene Expertise von Privaten gesetzt wird. Das Absturzrisiko ist gross, die Dringlichkeit hoch. Für die Anbindung der Schweiz an die Welt, für Wirtschaft und Tourismus und für die vielen Passagiere, die für den Sommer schon Reisen gebucht haben, ist entscheidend, dass das Zertifikat in wenigen Wochen einsatzbereit ist. Sonst sind weitere hohe und unnötige Verluste programmiert – genauso wie Ärger mit Passagieren.

Nun gut, der Entscheid ist gefallen, es gilt vorwärtszublicken: Im Juni muss das Zertifikat einfach und pragmatisch funktionsfähig sein – und es muss in der EU und allgemein international anerkannt werden. Mit Blick auf das Reisen ist das Zertifikat nur dann etwas wert, wenn es auf der anderen Seite der Grenze akzeptiert wird. Der Bund ist in der Pflicht, das sicherzustellen. Er muss entschlossen verhandeln und nahe an der internationalen Praxis agieren.

Womit wir wieder beim Thema Alleingang sind. Wichtig ist, dass der Bund offen bleibt. Einerseits ist zentral, dass das Bundesamt für Informatik auf die Signatur respektive die Echtheitsgarantie fokussiert und für andere Fragen vorhandene Expertise aus Aviatik, IT, Laboren und Gesundheitswesen nutzt. Durch partnerschaftliches Vorgehen erhöht sich die Chance auf Erfolg. So kann am effizientesten möglichst rasch eine möglichst einfache und verlässliche Lösung auf den Boden gebracht werden. Sehr zu begrüssen ist in dieser Logik, dass die Airline Swiss als Teil der BlueIcareUs-Allianz, bestehend aus Schweizer Unternehmen und Organisationen aus der Aviatik und dem Gesundheitswesen, ein weiteres digitales Angebot zur Prüfung von Test- und Impfnachweisen erprobt. Erkenntnisse und Expertise aus solchen Projekten müssen unbedingt in die Lösung des Bundes einfliessen – unkompliziert und mit offener Kommunikation.

Andererseits braucht es auch Offenheit gegenüber anderen Lösungen. Es wäre naiv und schädlich, ausschliesslich auf eine Schweizer Lösung mit entsprechendem Finish zu setzen. Es ist jetzt schon klar, dass zumindest am Anfang im internationalen Personenverkehr verschiedenste Lösungen herumgeistern werden. Nur auf einen Schweizer oder nur auf einen EU-Standard zu setzen, hilft in der Aviatik nicht. Wichtig ist, dass die Schweiz eine klare Kriterienliste dafür definiert, was ein Nachweis erfüllen muss - punkto Inhalt, Datenschutz und Fälschungssicherheit. Wenn die Kriterien erfüllt sind, muss es egal sein, ob der Nachweis über das Schweizer COVID-Zertifikat, den IATA Travel Pass oder über eine chinesische oder argentinische Lösung erfolgt. Auch hier gilt unsere Losung: Wir brauchen 99 Prozent Sicherheit und eine Perspektive. Statt 100 Prozent Sicherheit und eine Sackgasse.