Die Luftfahrt wird in der Schweiz oft lauter diskutiert, als es die Stimmung in der Bevölkerung tatsächlich nahelegt. Eine neue repräsentative Sotomo-Studie im Auftrag von Aviationsuisse bringt nun Sachlichkeit in diese Debatte. Der Befund ist klar: Die Bevölkerung steht der Luftfahrt mehrheitlich positiv gegenüber, anerkennt ihre wirtschaftliche Bedeutung und will keine weitere Verschärfung der Rahmenbedingungen.
Für den Standort Zürich ist das besonders relevant. 79 Prozent der Bevölkerung messen dem interkontinentalen Drehkreuz in Zürich grosse wirtschaftliche Bedeutung bei. Das ist ein starkes Signal. Der Flughafen Zürich ist nicht irgendein regionaler Flughafen. Er ist das einzige interkontinentale Drehkreuz der Schweiz – und damit eine Schlüsselinfrastruktur von nationaler Bedeutung. Direktverbindungen, internationale Erreichbarkeit, Exportwirtschaft, Forschung, Tourismus und globale Unternehmensstandorte hängen unmittelbar mit dieser Konnektivität zusammen.
Besonders deutlich ist der Befund bei den Betriebszeiten. Knapp 80 Prozent sprechen sich gegen eine Verkürzung aus. Die heutigen, im internationalen Vergleich bereits strengen Nachtruhe-Regelungen werden mehrheitlich als richtig beurteilt. Eine Ausweitung der Nachtruhe ist somit klar nicht mehrheitsfähig – auch nicht in der Nachbarschaft des Flughafens Zürich. Das ist politisch bedeutsam. Es zeigt, dass die Absicht von Bundesrat Albert Rösti und der nationalrätlichen Verkehrskommission, die Betriebszeiten der Landesflughäfen im revidierten Luftfahrtgesetz auf nationaler Ebene zu sichern, bei der Bevölkerung auf grosse Akzeptanz stösst.
Klar zeigt das Studienergebnis auch: Die im Kanton Zürich eingereichte Nachtruhe-Initiative, die einen fixen Betriebsschluss um 23 Uhr fordert, ist politisch chancenlos – selbst in der unmittelbaren Anwohnerschaft des Flughafens. Der Kantonsrat sollte diese radikale Initiative deshalb nicht mit einem Gegenvorschlag belohnen.
Auch klimapolitisch liefert die Studie einen wichtigen Hinweis. Die Bevölkerung will Klimaschutz in der Luftfahrt, aber sie setzt auf internationale Abstimmung, technologische Innovation, effizientere Flugzeuge und nachhaltige Treibstoffe. Nationale Alleingänge mit Abgaben, Rückverteilung und Umverteilung in andere Verkehrsträger überzeugen dagegen nicht.
Damit steht auch die Mobilitätsbon-Initiative von umverkehR, deren Sammelstart am 1. Mai erfolgt ist, quer zum Mehrheitswillen. Eine nationale Umweltabgabe auf Flugtickets mit Rückverteilung und Zweckentfremdung der Mittel ist weder mehrheitsfähig noch sinnvoll. Klimaschutz entsteht nicht durch Umverteilung, sondern durch Investitionen in die ökologische Transformation der Luftfahrt.
Die Botschaft für Zürich ist deshalb einfach: Der Flughafen Zürich braucht Schutz vor weiterer Einengung und Raum für Entwicklung mit Augenmass. Die schweigende Mehrheit ist pragmatischer, als es manche politische Debatte vermuten lässt.