Drehkreuze sind wichtig für das Land

Corona ist weit weg, im Mai übertraf der Flughafen Zürich die Passagierwerte aus dem Vergleichsjahr 2019, auch in der kommenden Ferienzeit wird die Nachfrage sehr gross sein. Die Schweizerinnen und Schweizer schätzen die gute Vernetzung mit der Welt.

Umso irritierender ist der hartnäckige politische Gegenwind. In Zürich wollen Flughafen-Gegner die Betriebszeiten weiter einschränken: um 23 Uhr soll fix nicht mehr gestartet und gelandet werden; heute darf die halbe Stunde von 23 bis 23.30 Uhr für Verspätungsabbau genutzt werden. An allen Landesflughäfen drohen zudem Verschärfungen der Lärmrestriktionen.

Sowohl weitere Einschränkungen der Betriebszeiten als auch eine Verengung des Lärmkorsetts gefährden in Zürich den langfristig verlässlichen Drehkreuzbetrieb. Das ist absurd, weil die Betriebszeiten schon stark verschärft, die Nachtruhe seit der Jahrtausendwende von viereinhalb auf sechseinhalb Stunden verlängert und die Flugzeuge massiv weniger lärmintensiv wurden. Und es ist volkswirtschaftlich gefährlich, weil der Drehkreuzbetrieb einer Pulsader gleichkommt, die Zürich und die Schweiz mit der Welt verbindet. Google und alle anderen «Internationals» wären ohne gute Direktverbindungen nicht hier.

Erfreulich ist, dass die Bedeutung der Landesflughäfen politisch offenbar breit anerkannt wird. Eine Interpellation von Martin Hübscher (SVP, Zürich) hat 24 Unterzeichnende aus fünf Parteien gefunden. Support kommt von der SVP, FDP, GLP, Mitte und der EVP. Martin Hübscher will in seiner Interpellation wissen, wie wichtig die Landesflughäfen mit Drehkreuzfunktion sind, und er schreibt: «Der Flughafen Zürich bindet als einziges interkontinentales Luftverkehrsdrehkreuz unseres Landes die Schweiz an die wichtigsten Metropolen der Welt an. Der Druck auf die Rahmenbedingungen nimmt aber weiter zu, obwohl kürzlich die Volksabstimmung im Kanton Zürich gezeigt hat, dass der Rückhalt in der Bevölkerung gross ist.»

Der Bundesrat hat in der Beantwortung Gelegenheit zu betonen, dass er eine Gefährdung des Drehkreuzes in Zürich nicht hinnehmen wird – analog zum Auftrag, den er dem wichtigsten Landesflughafen in seinem Strategiepapier gibt, dem Bericht 2016 über die Luftfahrtpolitik der Schweiz: «Ziel der schweizerischen Luftfahrtpolitik ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es erlauben, die internationale Anbindung der Schweiz auf dem Luftweg sicherzustellen und die Bedürfnisse nach Flugreisen aus der oder in die Schweiz zu befriedigen.»