«Der Luftverkehr ist ein grosses Bedürfnis»

Die Deutschschweizer Flughäfen verzeichnen Rekorde: Sowohl Zürich als auch Basel melden Passagierzahlen auf Höchststand, Zürich gar einen neuen Allzeit-Tagesrekord. Für Aviationsuisse-Präsidentin Dr. Regine Sauter ist das ein klares Signal: «Der Luftverkehr ist nach wie vor ein grosses Bedürfnis.» Anstatt der Branche zusätzliche Hürden aufzuerlegen, gelte es, sie nachfrageorientiert weiterzuentwickeln – im Interesse einer international gut angebundenen Schweiz.

Auch Christian Hegner, scheidender Direktor des Bundesamts für Zivilluftfahrt (BAZL), bestätigt diesen Kurs. Der in Überarbeitung stehende Bericht zur Luftfahrtpolitik der Schweiz (LUPO) halte weiterhin am Grundsatz einer nachfrageorientierten internationalen Anbindung fest. «Daran ändern wir nichts», sagte Hegner.

Diese Ausrichtung bedeute auch, die bestehende Infrastruktur gezielt weiterzuentwickeln: «Es gilt nun, die laufenden Projekte voranzutreiben und umzusetzen», betont er. Gleichzeitig stehe die Branche vor der Herausforderung, bis 2050 das Netto-Null-Ziel zu erreichen.

Ein zentraler Baustein dabei sind Sustainable Aviation Fuels (SAF). Da deren Skalierung kapitalintensiv ist, begrüsst Hegner die neuen Fördermittel des Bundes, die auf grosse Nachfrage gestossen sind: «Wir verzeichnen über 80 vielversprechende Eingaben», sagte er. Vor diesem Hintergrund zeigt er sich überzeugt: «Gemeinsam werden wir das Netto-Null-Ziel erreichen.»

Tobias Markert, CEO des EuroAirports, betonte in seinem Referat ebenfalls die hohe Nachfrage, die Ausdruck des Mobilitätsbedürfnisses von Gesellschaft und Wirtschaft sei. «Gelinge es nicht, die Infrastruktur rechtzeitig so zu entwickeln, dass die Nachfrage langfristig bedient werden könne, werde eine Priorisierung nötig, sagte Markert. Und er fragte rhetorisch: «Was wird in dieser Priorisierung wichtiger sein – der Flug nach Pristina für einen Verwandtenbesuch oder der Geschäftsreisende nach New York?» Die Frage blieb im Raum stehen. Markert ergänzte: «Wer gibt diese Antwort? Wir als Flughafen können das nicht tun.»

Zum Infrastrukturausbau gehört in Basel auch er Bahnanschluss des EuroAirports, der heute nur mit dem Bus erreichbar ist. Da Frankreich seinen Anteil an die Finanzierung sistiert hat, ist das Projekt in der Schwebe. BAZL-Direktor Hegner anerkannte die Wichtigkeit des Vorhabens und regte eine Diskussion darüber an, dass die Schweiz die Finanzierung übernehme.

Ein weiteres Schlüsselthema für die Zukunft der Schweizer Luftfahrt ist das Vertragspaket «Bilaterale III», das unter anderem die Modernisierung des Luftverkehrsabkommens mit der Europäischen Union beinhaltet. Für Mitte-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter ist klar: «Lehnt die Schweizer Bevölkerung das Vertragspaket ab, ist der bilaterale Weg am Ende.» Matthias Zoller, Generalsekretär von Swiss ASD, pflichtet dem bei: Das vorliegende Vertragspaket sei sehr gut verhandelt. Diese Chance gelte es nutzen.

Schneider-Schneiter und Zoller warnten: Ein Nein würde auch das Luftverkehrsabkommen nach und nach erodieren lassen – mit schwerwiegenden Folgen für die internationale Anbindung. «Das will ich nicht», sagt Schneider-Schneiter und appelliert, die Bedeutung der Luftfahrt bei der Beurteilung des Vertragspakets mitzudenken.