Das Märchen vom immer lauteren Flughafen

Einmal mehr wird das alte Narrativ bedient: Rund um den Flughafen Zürich werde die Lärmbelastung seit Jahren schlimmer, und die Behörden schauten tatenlos zu. Der Beitrag im «Tages-Anzeiger» über eine Beschwerde der Bürgerorganisation Fluglärmsolidarität übernimmt diese Deutung weitgehend und erweckt den Eindruck, die Situation gerate zunehmend ausser Kontrolle. Die Fakten zeigen das Gegenteil.

Seit der Jahrtausendwende wurden die Betriebszeiten am Flughafen Zürich in drei Schritten um insgesamt zwei Stunden verkürzt. Heute gilt das engste betriebliche Korsett vergleichbarer europäischer Drehkreuze. Geplante Starts sind nur bis 22.45 Uhr, Landungen bis 22.55 Uhr möglich. Die Zeit von 23 bis 23.30 Uhr dient ausschliesslich dem Verspätungsabbau. Sie ist kein Schlupfloch, sondern Teil der vom Bund festgelegten Betriebszeit.

Auch die Behauptung einer immer stärkeren Belastung hält einer nüchternen Prüfung nicht stand. In der Flughafenregion Zürich fühlen sich gemäss der repräsentativen Sotomo-Studie rund zwei Drittel der Befragten durch den Fluglärm eher nicht oder gar nicht belastet. 57 Prozent halten die heutige Nachtflugregelung für genau richtig. Eine Verschärfung findet ebenso wenig eine Mehrheit wie eine Lockerung.

Die Nachfrage nach Mobilität bleibt derweil hoch. SWISS beförderte im ersten Halbjahr 2026 gemäss einer Mitteilung vom 4. August rund 8,5 Millionen Passagiere – 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr, obwohl die Zahl der Flüge um 4,1 Prozent sank. Die Flugzeuge waren entsprechend besser ausgelastet. Das ist Ausdruck eines breiten Bedürfnisses nach internationaler Anbindung.

Fluglärmschutz ist wichtig. Ebenso wichtig ist, die Debatte nicht den immer gleichen Alarmrufen zu überlassen. Die Politik darf sich von lautstarken Minderheiten nicht in eine Verschärfung treiben lassen, für die es weder sachlich noch gesellschaftlich eine Grundlage gibt.